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DIGITAL WEALTH MANAGEMENT - Von der Disruption zum nachhaltigen Geschäftsmodell von Norbert Paddags

 

Die Rahmenbedingungen für die Vermögensverwaltung haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert u.a. durch die verstärkte Nutzung von ETFs, steigende regulatorische Anforderungen und die fortschreitende Digitalisierung. Im Folgenden werden die Auswirkungen dieser Entwicklungen u.a. die zunehmende Bedeutung von Robo Advisern beschrieben und die Kräfte, die zu einer Disruption in der privaten Vermögensverwaltung, identifiziert. Jedoch ergeben sich auch eine Vielzahl neuer Opportunitäten insbesondere für Banken mit einer starken Kundenbindung. Die Kernherausforderung des zukünftigen „Digital Wealth Management“ wird die Kombination von standardisierten und skalierten Investmentprozessen mit einer persönlichen Beratung sein, die effizient online- und offline-Formate kombiniert.

 

Die Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für die Verwaltung privater Vermögen haben sich in letzten Jahren drastisch verändert:

  • Produkte: Zunehmende Bedeutung von passiv gemanagten und damit niedrigmargigen Fonds, die bis 2020 einen Marktanteil von ca. 30% erreichen sollen (E&Y Global ETF Research 2017)
  • Profitabilität: Rückgang der Profitabilität seit 2009 von 37 auf 23 Basispunkte der Assets under Management (BCG Wealth Report 2017)
  • Regulatorik: Erhöhte Transparenzanforderungen z.B. Kostenausweise im EU-Raum durch Mifid II
  • Digitalisierung: Rasantes Wachstum des von Fintechs / Robo Advisern verwalteten Vermögens z.B. auf über 150 Mrd. US-Dollar in den USA (2017, Techfluence)

Im internationalen Vergleich bestehen erhebliche Unterschied, wobei zum Beispiel die USA in der Entwicklung deutlich weiter fortgeschritten sind als z.B. Deutschland. Jedoch soll auch in Deutschland die Bedeutung von Robo Advisern in den nächsten Jahren massiv zunehmen und laut Oliver Wyman bis 2021 das von diesen verwaltete Vermögen auf 42 Mrd. US-Dollar anwachsen. Im Folgenden sollen exemplarisch die Entwicklungen in Deutschland dargestellt, wobei die Kernaussagen bzgl. Disruptionsszenario und zukünftigen Geschäftsmodellen auch auf andere Länder übertragen werden können.

 

Kernfrage für das Wealth Management

Die Kernfrage ist, welche Implikationen sich für das Wealth Management aus den oben dargestellten Entwicklungen ergeben, insbesondere wenn die Robo Advisor ihren aktuellen Fokus von kleineren Vermögen auf die klassischen Private Banking-Kunden erweitern. Neben einer hohen Convenience können Robo Advisor mit deutlich geringeren Kosten punkten: Während die Vollkosten (Depot, Trading, Vermögensverwaltung und Produkte) im klassischen Private Banking bei ca. 2% der AuM pro Jahr liegen, betragen die Kosten bei Robo Advisern 0,5 – 1% in Deutschland. In den USA sind diese bereits deutlich niedriger.

Diese signifikanten Kostenunterschiede, die sich insbesondere im aktuellen, europäischen Niedrigzinsumfeld massiv auf die Rendite auswirken, werden seitens der Anbieter klassischen Private Bankings durch zwei Aspekte gerechtfertigt:

1. Aktives Management der Portfolios mit dem Anspruch der Generierung einer Überrendite
2. Umfang sowie die Qualität der persönlichen Beratung

Jedoch lässt sich zum einen trefflich hinterfragen, wie groß der Mehrwert des aktiven Managements im Kontext der Vermögensverwaltung tatsächlich ist. Zum anderen kann auch eine ausführliche und hochqualitative Beratung die signifikanten Preisunterschiede nicht schwer rechtfertigen. Vielmehr ergeben sich die signifikanten Kostenunterschiede durch eine hohe Produktkomplexität und vor allem mangelnde Standardisierung und Digitalisierung der Support- und Back-Office-Prozesse. Die Fortschreibung der Trends der letzten Jahre führt somit zu einem Disruptionsszenario im Private Wealth Management.

 

Das Disruptionsszenario

Die Entwicklung zu einem Disruptionsszenario wird nicht allein durch den technologischen Wandel und die Marktentwicklungen gefördert, sondern vor allem durch Veränderungen der Kundenanforderungen insb. der „Erbengeneration“ beschleunigt. Diese weist eine deutlich höhere Online-Affinität auf mit Auswirkungen auf Nutzungsverhalten und Preistransparenz. Aufgrund der großen Volumina, die generationsübergreifend vererbt werden – laut Schätzungen für Deutschland 2,1 Billion EUR zwischen 2015 und 2024 – hat dieser Wechsel signifikante Auswirkungen auf die Branche.

Die resultierenden massiven Veränderungen betreffen nicht allein Banken, sondern alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten, d.h. auch und insbesondere Asset Manager und Börsen. Wir gehen davon aus, dass die relevanten Anleger in Deutschland ein liquides Gesamtvermögen von 1 Billion EUR besitzen. Wie bereits geschildert, betragen die Vollkosten in der klassischen Vermögens-verwaltung in der Regel mindestens 2% des Anlagevolumens oder entsprechend 20 Mrd. EUR pro Jahr. Auf Basis der Hebung von Effizienzen kann zukünftig ein Portfoliomanagement mit einer nach Anlagevolumina differenzierten Beratung profitabel für 1% angeboten werden, d.h. es entsteht ein Disruptionspotenzial von 10 Mrd. EUR pro Jahr. Im Disruptionsszenario werden somit zwei 10-Mrd.-Euro-Fragen zu beantworten sein: Wie schnell wird das Effizienzpotenzial von 10 Mrd. EUR pro Jahr gehoben? Und: wer verdient die verbleibenden 10 Mrd. EUR?

 

Neue Geschäftsmodelle

Die Antwort lautet allerdings nicht, dass die Zukunft allein den Robo Advisern gehört. Vielmehr bereiten diese Entwicklungen den Weg für das Digital Wealth Management als profitables Geschäftsmodell auch für bestehende Player. Hiermit ist eine Vermögensverwaltung für Anleger mit liquiden Assets von 10 TEUR bis 1 Mio. EUR gemeint, welche einen regelbasierten Investmentansatz in ETF zur Hebung von Effizienzpotenzialen nutzt und diesen in einem Hybridmodell mit einer umfassenden on- und offline Beratung verbindet. Die Kombination von skalierten Investment-prozessen mit einer persönlichen Beratung, die effizient online- und offline Formate kombiniert, wird hierbei der entscheidende Erfolgsfaktor sein

Persönliche Beratungsleitung

Trotz dieser Opportunitäten, die sich für Banken und Finanzdienstleister ergeben, die sich schnell an die neuen Rahmenbedingungen anpassen, wird die anstehende Disruption zunächst zu massiven Verwerfungen und Veränderungen des Marktes führen. In jedem Fall werden zwei Aspekte auf dem Weg zum Digital Wealth Management zu adressieren sein: zum einen die Hebung von Effizienzpotenzialen durch eine weitgehende Standardisierung des Portfoliomanagements, der Digitalisierung von Prozessen und der nahtlosen Integration von on- und offline Kundeninteraktion. Der zweite Aspekt, der entscheidend für die Kundenbindung und die Profitabilität der Geschäftsmodelle ist, betrifft eine neue Form der Kundenorientierung, die sich von der Fokussierung auf die liquiden Assets löst und den Beratungsbedarf des Anlegers und seiner Familie in den Mittelpunkt stellt.

 

Projektansätze und Ausblick

Konkrete Projektansätze für Banken mit klassischen Privatkundengeschäft können z.B. sein:

  • Kosteneffiziente Abbildung von kleineren Vermögen, die typischerweise nicht profitabel sind, durch Nutzung von Robo Advisern ggf. als White Label Lösung
  • Wechsel von aktivem zum einem standardisierten passiven Investmentansatz zur Hebung von Effizienzpotentialen
  • Erweiterung der Beratung der Kunden hinsichtlich aller Vermögensbestandteile d.h. liquide und illiquide auf Basis digitalisierter Supportprozesse

Voraussetzung für den Erfolg einer Strategie für das Digital Wealth Management und die Umsetzung der genannten Maßnahmen wird ein umfassender Transformationsprozess sein, der die Einführung und Nutzung neuer Technologien begleitet und die Mitarbeiter auf neue Rollen und Aufgaben in der Kundeninteraktion vorbereitet. Die Entwicklung und Steuerung dieser Trans-formation wird die Kernaufgabe des Senior Managements in Vorbereitung auf die neue Welt des Digital Wealth Managements sein.

 

 

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Fordern Sie hier das komplette Dokument an: info@paddags.com

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