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Von Dr. Norbert Paddags | 08.12.2018

Lesedauer: 4 Minuten

Analysen 2018

Das stagnierende Wachstum der Robo Advisor und das missverstandene Geschäftsmodell

In den letzten Wochen häufen sich die Berichte, dass das Wachstum der Robo Advisor stagniert und damit wird auch die Frage gestellt, ob das ganze Geschäftsmodell gescheitert sei. Mit Artikeln wie „Anlageroboter an der Irrelevanzgrenze“ (Capital) oder die „War's das für die Robos?“ (ARD) greift die Presse dieses wichtige Thema auf. Was bedeutet dies für die Zukunft der Robo Advisor in Deutschland? Wie immer in Digital & Wealth klar getrennt in „Die Frage“, „Die Fakten“ und „Die Schluss-Folgerungen“.

Die Frage

"Deutet das stagnierende Wachstum der Robo Advisor in Deutschland auf ein Scheitern des Geschäftsmodells hin oder zeigt die Diskussion, dass dieses (oft) nicht richtig dargestellt wird?"


Die Fakten

  • Die Berichte über das rasante Wachstum der Assets und Management (AuM) der Robo Advisor sind rar geworden. Die letzte wirklich große Nachricht war das Durchbrechen der 1 Mrd. Marke durch Scalable Capital im Mai diesen Jahres (Scalable Capital). Auch wenn immer noch der alte Schlaumeier-Spruch gilt: „The absence of evidence is not the evidence of absence“, deutet dies auf eine deutliche Verlangsamung des Wachstums hin.
  • Die AuM aller Robo Advisor liegen aktuell um die 2 Mrd. EUR,  (ETF Magazin) und managen bei einem adressierbaren Markt von 1 Billion deutlich weniger als 1% desselben. Oder anders beschrieben: alle Robos in Deutschland kommen auf die AuM eines kleineren Vermögensverwalters.
  • Im Widerspruch zu den genannten Presseberichten (Capital, ARD) und Schlussfolgerungen über das Ende der Robos hat einer größten Robo Advisor in Deutschland Liqid, hinter dem das Family Office Quandt steht, gerade 33 Mio. EUR Finanzierung eingesammelt (Finanz-Szene).
  • Auch der Blick in die USA zeigt, dass Robo Advisor erfolgreich sein können. So verwalteten Robo Advisor und Hybridlösungen, d.h. Anbieter wie Vanguard die Asset Management Expertise mit effizienter persönlicher Kundeninteraktionen kombinieren, bereits Ende 2017 165 Mrd. US-Dollar (Techfluence).


Die Schluss-Folgerungen

In der Diskussion werden viele gute Gründe genannt, warum die Robos in Deutschland aktuell nicht wirklich durchstarten: unzureichende Aktienkultur, wenige bekannte Geschäftsmodelle / Marken und damit hohe Akquisitionskosten. Ein weiterer, oft wiederholter genannter Grund ist, dass die Performance unzureichend sei und eine gesetzte Benchmark nicht schlage (ARD). Aber ist das das Ziel der Robos? In unserer Interpretation basiert das Geschäftsmodell der Robos auf folgenden Annahmen:

  • Entscheidend für den Anlagererfolg des Privatanleger sind
    - eine gute strategischen Assetallokation, die den „Markt“ abbildet
    - Minimierung der Transaktionskosten
  • Das Wissen um eine gute Assetallokation ist (fast) unbegrenzt skalierbar und über ETFs extrem kostengünstig abbildbar
  • Die hohen Kosten für den (Klein-)Anleger entstehen nicht durch das Portfoliomanagement oder die Anlageprodukte sondern im Vertrieb

Das Ziel der Robos ist es daher insbesondere Banken als Mittler zwischen Anleger und Anlageprodukt aus dem Spiel zu nehmen. Im Kern verfolgen die Robos damit den klassischen Disruptionsansatz „Disintermediation“. Die resultierenden Kernkompetenzen sind IT, um das das Massengeschäft der Einzelportfolien effizient abzuwickeln, und Marketing, um den Endkunden zu gewinnen. Entgegen gängiger Interpretation (und der Sales-Eigendarstellung der Robos) gehört eine besondere Kapitalmarktexpertise nicht dazu. Wenn sie diese besäßen, würden sie Institutional Investors adressieren und nicht mühsam 10 – 30 TEUR Tickets einsammeln.

Aus diesem Blickwinkel sind die Probleme der Robos in Deutschland nur folgerichtig, denn Sie haben aktuell nicht die Scale, um ihr Knowhow und IT zu leveragen, und versinken tief im B2C-Akquisitionssumpf. Heißt dies nun, dass das Robo Modell ausgesorgt hat? Wir sind nicht dieser Meinung. Wie die Kollegen von TME so schön formuliert haben, stellen die Robo Advisor das Minimal Viable Product (MVP) der digitalen Vermögensverwaltung dar (TME Whitepaper). Der Königsweg für die Realisierung des Grundgedankens der Robo Advisor wird die Nutzung des Brands eines bekannten Asset Managers sein, die Kooperation mit einem Institut mit großer Kundenbasis und das Angebot von Hybridlösungen, in denen effiziente Prozesse mit begrenzter persönlicher Beratung verbunden werden (Digital Wealth Management). Robo Advisor im Sinne einer digitalen Vermögensverwaltung können erfolgreich sein. Immer vorausgesetzt: das Geschäftsmodell wird richtig verstanden.

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