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Das Jahr 2019 - auf den Kopf gestellt

Von Norbert Paddags | 16.12.2019

Lesedauer: 3 Minuten

Das Jahr 2019 auf den Kopf gestellt - ein satirischer Jahresrückblick

Was passiert, wenn man sich auf den Kopf stellt? Perspektiven drehen sich. Was oder wer oben war, ist jetzt unten. Und umgekehrt. Hier eine persönlich-satirische Rückschau auf 2019 im Kopfstand.

Er hat´s geschafft! Er hat´s wirklich geschafft, der "real Donald"! Was, fragen Sie? Die längste Hausse seit Menschengedenken zu sabotieren. War ja auch abzusehen. Auch wenn die Fundamentaldaten gar nicht so schlecht sind, hilft es einfach nicht, bei jeder Gelegenheit den Welthandel zu torpedieren. Ja, da gab´s noch Steuergeschenke für die Unternehmen. Ein Strohfeuer, das in Share-Buy-Backs investiert wurde. Irgendwann kapiert auch der letzte im Markt, dass es so nicht weitergeht. Also S&P minus 25% seit Jahresanfang. Das tut schon verdammt weh und die anderen Aktienindizes sind auch alle negativ, wenn auch nicht so schlimm.

Nun, es war zugegebenermaßen nicht der Donald allein. Dann kam ja auch noch die Christine als Weihnachtsfrau mit weißen Haaren und hat – um im Bild zu bleiben – den Zinsknüppel rausgeholt. Und dem Mario eine schöne Absage erteilt. Nix mit -0,5% und Neustart des Ankaufprogramms. Sie hat ja recht: nur weil man den Zinssatz noch weiter ins negative Terrain treibt, wird die sklerotische europäische Wirtschaft nicht schneller wachsen. Natürlich hat dies zu einer massiven Korrektur an den Märkten beigetragen. Also suchen Sie sich´s aus: entweder mit den Kunden Individualvereinbarungen über Verwahrentgelte verhandeln oder signifikanten Rückschlag im Depot verargumentieren. Beides ist nicht lustig.

Diese Diskussionen werden jedoch hoffentlich bald in 2020 abgeschlossen sein. Und eine solche Korrektur bildet ja auch immer ein Argument für Neuanlage (Stichwort: Aufholpotential). Stellt sich also die Frage: Welche Entwicklungen aus 2019 werden uns als Branche auch in 2020 beschäftigen?

Das große Thema ist natürlich der digitale Umbau der Branche und die schöne neue Welt des Hybridmodells, in welchem wir viel mehr Zeit für den Kunden haben, da die Supportprozesse standardisiert und digitalisiert sind. Da hat sich viel getan und wir sind auf einem guten Weg. In diesem Zusammenhang muss man sich natürlich die Entwicklung der Fintechs anschauen. Das ist schon erstaunlich, was in 2019 geschehen ist. Robo Advisor verwalten jetzt 30 Mrd. EUR in Deutschland. Natürlich sind dies nur 3% vom Markt, aber doch eine beindruckende Entwicklung, da die Banken mit großen Kundenstämmen auch diese Produktkategorien nutzen und den Newcomern das Wasser abgraben. Aus Sicht eines klassischen Private Bankers ist dies natürliche eine zweischneidige Entwicklung: negativ ist, dass sich der Margendruck noch mehr erhöht, positiv ist, dass sich Angebote und Anbieter auffächern.

Wo wir gerade bei Margen sind. Beim Pricing tut sich langsam auch was d.h. nicht mehr diese One-size-fits-all-Logik sondern sauber differenzierte Leistungsangebote und Preispunkte. Wie beim Fliegen: da gibt´s ja auch Economy (wobei das unsere Kunden vermutlich nicht wollen), Premium Economy, Business und First. Professionelles Pricing hat zusammen mit der Digitalisierung und den resultierenden Kosteneinsparungen auch die Profitabilität grundsätzlich verbessert, wenn man von dem kapitalmarkt-bedingten Ausreißer diesen Jahres absieht. Cost-Income-Ratios liegen unter 80%. Und auf dieser Basis können auch Privatbanken selbständig und profitabel sein.

ACHTUNG! Jetzt stellen wir uns ganz langsam vom Kopf wieder auf die Füße, damit uns nicht schwindlig wird, und lassen das Jahr nochmals im Schnelldurchlauf Revue passieren: S&P 500 bei plus 25%, EZB Politik des Quantitative Easing wird fortgesetzt, Digitalisierung im Private Banking ist schleppend, Robo Advisor verwalten nicht 30 Mrd. sondern 3 Mrd., beim Pricing ist noch viel Luft nach oben, Cost-Income-Ratios liegen bei Privatbanken über 80% und unabhängige Häuser wie z.B. Lampe tun sich schwer und werden verkauft.

Also zusammen gefasst und fest auf beiden Füßen stehend: Wahnsinns-Jahr auf jeden Fall im Aktienbereich, aber der Umbau der Branche vollzieht sich langsamer, als dieses notwendig ist. Und was heißt dies für die schöne neue Welt des Private Bankings z.B. im Jahr 2025, in dem wir entlastet von administrativem Unsinn, mit neuem Kundenfokus und Spaß an der Betreuung arbeiten?

Es verbleiben noch etwas mehr als 60 Monate. Also packen wir´s an!

Der Autor dieses Artikels:

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