Steuern Sie Ihr Unternehmen nicht mit OKRs!

Paddaxum | 01/2026

Steuern Sie Ihr Unternehmen nicht nur mit OKRs! Und so setzen Sie sie richtig ein:

„OKRs sind ja spannend – aber wie setze ich sie richtig ein?“, fragte mich kürzlich der Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs, der technologisch anspruchsvolle Bauteile entwickelt und produziert. OKRs (Objectives and Key Results) sind eine Methode, mit der Teams ambitionierte Ziele in kurzen Zyklen erfolgreich verfolgen. Dass der Geschäftsführer sich dafür interessiert, ist also absolut nachvollziehbar.

In den letzten Jahren werden OKRs auch in Deutschland zunehmend eingesetzt und es ist fast zur Mode geworden, jedem Steuerungssystem OKRs überzustülpen. Das Ergebnis ist – salopp formuliert – dass oft OKR draufsteht, aber nicht OKR drin ist. Die Konsequenz: Im besten Fall wird das Potenzial der Methode nicht gehoben. Im schlimmsten Fall wird das Unternehmen schlecht gesteuert.

Drei Fragen möchte ich in diesem Editorial beantworten:

  • Wie sind OKRs entstanden und was macht die Methode so wirksam?
  • Warum eignen sich OKRs nicht für die umfassende Unternehmenssteuerung?
  • Wie können OKRs sinnvoll in die Steuerung integriert werden?

OKRs: Eine kurze Historie und warum sie so attraktiv sind

Die Grundidee der OKRs entstand bei Intel in den 1970er Jahren und wurde durch den erfolgreichen Einsatz bei Google weiterentwickelt und popularisiert. Eine gut lesbare Einführung bietet John Doerrs Buch „Measure What Matters“, das ich in der Rubrik „Kennen Sie …?“ bespreche.

Die Vorteile von OKRs gegenüber klassischen Steuerungsinstrumenten sind unter anderem:

  • Klares „Was“ und „Wie“: Objectives beschreiben das „Was“, Key Results das „Wie“ – definiert in enger Zusammenarbeit mit den Teams
  • Hohes Ambitionsniveau: Häufig werden sogenannte aspirational OKRs gesetzt. Dabei gilt eine Zielerreichung von z. B. 70 % nicht als Scheitern, sondern als Ausdruck des hohen Ambitionsniveaus.
  • Kurze Zyklen: Der typische Zeithorizont ist ein Quartal – das unterstützt schnelle Lernzyklen in Produkt- oder Unternehmensentwicklung
  • Hohe Anpassungsfähigkeit: Ergebnisse sind schnell überprüfbar und OKRs können entsprechend angepasst werden.
  • Transparenz und Alignment: OKRs und Zielerreichung sind unternehmensweit sichtbar, was Fokus, Abstimmung und Zusammenarbeit stärkt.

Aus Historie und Charakteristika wird deutlich: OKRs entfalten ihre Wirkung besonders stark in Umfeldern mit hoher Dynamik – etwa in Tech-/Softwarefirmen mit schnellen Produktzyklen oder in Start-ups, die rasch wachsen. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob OKRs für die umfassende Unternehmenssteuerung geeignet sind.

Warum OKRs keine Unternehmenssteuerung ersetzen

Um diese Frage zu beantworten, hilft ein kurzer Blick darauf, was umfassende Unternehmenssteuerung leisten soll: dem Unternehmen eine klare Ausrichtung geben (Strategie) und die Steuerung auf Basis strategischer Ziele ermöglichen. Dazu gehören typischerweise die Erreichung von Finanzzielen, die Steuerung von Ressourcen u. a. Personal und Investitionen sowie das Monitoring des laufenden Betriebs.

OKRs sind historisch und methodisch vor allem dafür gemacht, die Umsetzung von Strategien in dynamischen Umfeldern zu unterstützen. Nutzt man OKRs als primäres oder gar einziges Steuerungssystem, treten typischerweise mindestens drei Probleme auf:

  • Keine strategische Basis: OKRs ersetzen keine Strategie – auch wenn OKRs von der Unternehmens- bis zur Teamebene kaskadiert werden. Ohne strategisches Fundament werden OKRs schnell zu einer Liste beliebiger Ziele.
  • Fehlende Datenkontinuität und -vergleichbarkeit: OKRs leben von schneller Überprüfbarkeit und Anpassung. Für die Unternehmenssteuerung braucht es jedoch verlässliche, vergleichbare Daten über Quartale und Jahre – insbesondere für Transparenz über Ergebnislage, Liquidität, Investitionen und Risiken. Hinzu kommen Anforderungen an das Finanzcontrolling durch Banken oder Investoren.
  • Unzureichende Verknüpfung mit weiteren Steuerungsinstrumenten: OKRs sind häufig aspirational und werden deshalb in der Regel nicht direkt mit Bonus- oder Vergütungslogiken verknüpft. Wenn man finanzielle Incentives setzen möchte, benötigt man zusätzliche Ziele und Metriken.

Wenn OKRs also keine Unternehmenssteuerung ersetzen, wie lassen sie sich dann sinnvoll integrieren?

Unternehmenssteuerung & OKRs: Turbo für dynamische Umsetzung

Möchte man OKRs in die Steuerung des Unternehmens integrieren, um z. B. die Transformation des Unternehmens zu beschleunigen oder die Produktentwicklung zu forcieren, kann man in 3 Schritten vorgehen:

  1. Entwicklung einer Steuerungsphilosophie: Klärung, wie dynamisch das Umfeld ist, wie offen mit Zielen umgegangen werden soll, wie Entscheidungsspielräume verteilt sind und welches Selbstverständnis das Management hat. Das klingt auf den ersten Blick abstrakt, ist aber zentral: Klassische Unternehmenssteuerung und OKRs folgen unterschiedlichen Logiken – und beides muss kulturell zusammenpassen.
  2. Design einer belastbare „klassische“ Unternehmenssteuerung: Dazu gehören Strategie, Jahresziele auf Unternehmens- und Bereichsebene sowie die dazugehörige Finanzplanung
  3. Einsatz von OKRs gezielt dort ein, wo Dynamik entsteht: Entwicklung von OKRs auf Basis der strategischen Ziele und Fokus auf Bereiche mit hoher Veränderung, Innovationsdruck oder Transformationsbedarf. OKRs werden in der Regel auf Teamebene eingesetzt, können aber auch auf höheren Ebenen definiert und dann sinnvoll heruntergebrochen werden.

In der Rubrik „Kein Paddaxum ohne ein Konzept“ ist ein vereinfachtes Beispiel für einen Automobilzulieferer beschrieben.

Jede Firma ist anders: Wie OKRs angepasst werden

Unternehmenssteuerung ist so individuell wie das Unternehmen selbst und das gilt ebenso für die Einführung von OKRs. Denn nur ein Steuerungssystem, das von den relevanten Stakeholdern verstanden und akzeptiert wird, entfaltet Wirkung.

Selbst innerhalb einer Branche kann die Bandbreite auf Basis meiner Beobachtungen groß sein: Am einen Ende des Spektrums ein Softwarehaus mit mehreren tausend Mitarbeitenden, das Strategie, klassische Steuerung und OKRs kombiniert – und OKR-Experten nutzt, um das volle Potenzial zu heben. Am anderen Ende ein erfolgreiches, schnell wachsendes, inhabergeführtes Unternehmen, das mit einem schlanken Set an OKRs (plus solidem Finanzcontrolling) die Entwicklung steuert.

Und wie ist der eingangs erwähnte Geschäftsführer mit OKRs umgegangen? Seine Begeisterung ist bis heute nicht gemindert. Da das Unternehmen in Bezug auf Philosophie, Strategie und Gesamtsteuerung bereits gut aufgestellt war, konnten schnell die Bereiche identifiziert werden, in denen OKRs sinnvoll sind und so wurde die Entwicklung des Unternehmens spürbar beschleunigt.

Nach dem Motto: OKRs sind klasse – wenn Sie wissen, wo, wann und wie Sie sie einsetzen.

Kein Paddaxum ohne Konzept: „Strategie, Unternehmenssteuerung und OKRs“

Objectives and Key Results

Beispiel: Automobilzulieferer mit Fokus auf Ziele der Produktentwicklung

  • Strategische Ziele (Auswahl)
    • Innovationsführer in Europa
  • Unternehmensziel (2026)
    • Produkte: 5 neue Produkte bis zur Marktreife entwickeln
  • Teamsteuerung (Q1 2026) bspw. verantwortlich für ein Produkt XYZ:
    • Objective: Innovationspotenzial von Produkt XYZ zur Unterstützung der Unternehmens-Produktpipeline aufzeigen
    • Key Results:
      • Kunde und Bedürfnisse für Produkt beschrieben (KW 3)
      • 10 Produktideen generiert (KW 5)
      • Auf Basis u. a. Realisierungswahrscheinlichkeit, Kosten etc. Top 3 priorisiert (KW 8)
      • Produktkonzepte für Top 3 erstellt (KW 13)

PAD|DA|XUM [Substantiv, neutrum, Plural Paddaxa]:
Impuls für neue Perspektiven und klare Entscheidungen. Strukturiert, fundiert und persönlich.

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Minimalistische Zeichnung: Person sitzt an einem Schreibtisch, mit der rechten Hand hält sie einen Telefonhörer und telefoniert, mit der linken Hand hält sie einen Stit und schreibt etwas. Vor der Person steht ein Laptop. Im Hintergrund steht ein Bücherregal.